Vögel

Die Lage unserer heimischen Vögel

Wirft man einen Blick in Gebiete benachbarter Länder wie Dänemark oder den Niederlanden, so kann man dort im Frühjahr ein Schauspiel beobachten, das in den meisten Regionen Deutschlands nur noch selten vorzufinden ist. Auf Wiesen und Feldern sammeln sich dort Scharen von Kiebitzen, um ihre Balzflüge aufzuführen und zu brüten.


Kiebitz und Co.

Auch in Deutschland war dieser Anblick vor 40 Jahren noch normal. Heute jedoch haben die Austrocknung natürlicher Feuchtwiesen, sowie die Nutzung wertvoller Brutgebiete durch die Landwirtschaft den Kiebitz aus vielen Regionen vertrieben oder seine Zahl besorgniserregend reduziert.

Dieses Problem betrifft allerdings nicht nur den Kiebitz, sondern auch eine ganze Reihe weiterer Vogelarten, die in ihrer Existenz mehr und mehr gestört und in Deutschland zunehmend seltener werden. Obwohl der Kiebitz seine eigene Nische besetzt, steht er doch stellvertretend für viele Arten, die auf landwirtschaftlich genutzten Flächen vorkommen. So sind unter anderem auch Feldlerche, Neuntöter und Rotmilan betroffen. Selbst Arten, deren Bestände in den 1990er Jahren noch einen Aufwärtstrend verzeichnen konnten, wie zum Beispiel die Goldammer, nehmen seitdem zahlenmäßig ab (Stand 2013).

Bild in Lightbox öffnen (open image in lightbox). Abbildung 1: Kiebitz auf der Wiese. Foto A. Wälde

Bedeutung für die Zukunft 

Was bedeutet dies nun für die Zukunft? Werden in den nächsten Jahrzehnten heimische Vogelarten aussterben? Vermutlich nicht. Jedoch wird wohl auch weiterhin ein Rückgang der Bestände zu beobachten sein. Fragen Sie sich einmal: Wann haben Sie zuletzt einen Kiebitz gesehen? Geht es so weiter wie bisher, könnte es in nicht allzu ferner Zukunft um den heute noch häufigen Buchfinken ähnlich bestellt sein.


Kurz und bündig...

Die Austrocknung natürlicher Feuchtwiesen, sowie die Nutzung wertvoller Brutgebiete durch die Landwirtschaft haben den Kiebitz und eine Reihe anderer Vogelarten aus vielen Regionen vertrieben. Mangelnde Brachflächen führen zu fehlenden Rückzugsgebieten, was vor allem in der Brutzeit und für Bodenbrüter ein großes Problem darstellt.

Eine quantitative Abnahme an Brutpaaren ist zu beobachten. Bei selteneren Arten dagegen ist häufiger ein Aufwärtstrend zu beobachten, da spezifische Schutzprogramme erfolgreich zur Arterhaltung beitragen.

Ein hoher Einsatz von Pestiziden und die häufige Mahd gefährden unsere heimischen Vögel auch indirekt. Die daraus sich ergebenden sinkenden Insektenzahlen haben einen großen Einfluss auf das Nahrungsangebot, gerade in der Brutzeit.

In Zukunft wird wohl auch weiterhin ein Rückgang der Bestände zu beobachten sein.  

Abnahme an Brutpaaren

Aber nicht nur in der Landwirtschaft, sondern auch generell ist eine quantitative Abnahme an Brutpaaren zu beobachten. Vor allem häufige Arten wie Haussperling, Star und Buchfink sind von diesem Rückgang betroffen. So sind seit 1998 ein Achtel aller Vogelbrutpaare verloren gegangen (Stand 2013). Bei selteneren Arten dagegen ist häufiger ein Aufwärtstrend zu beobachten, da spezifische Schutzprogramme erfolgreich zur Arterhaltung beitragen. Ein Beispiel hierfür wären Uhu, Kranich und Seeadler.


Intensive Landwirtschaft, mangelnde Brachflächen und Umgestaltung natürlicher Flächen

Die zugrundeliegende Problematik ist komplex. Ein wesentlicher Bestandteil ist jedoch die heutige intensive Form der Landwirtschaft, deren Auswirkungen man deutlich am Rückgang der Feldvögel erkennen kann. Mangelnde Brachflächen führen zu fehlenden Rückzugsgebieten, was vor Allem in der Brutzeit und für Bodenbrüter ein großes Problem darstellt. Auch die Umgestaltung natürlicher Flächen, zum Beispiel durch Trockenlegung von Feuchtwiesen, raubt vielen Vogelarten den für sie notwendigen Lebensraum. Ein weiteres Problem ist der hohe Einsatz von Pestiziden und die häufige Mahd. Die daraus sich ergebenden sinkenden Insektenzahlen haben einen großen Einfluss auf das Nahrungsangebot, das gerade in der Brutzeit dafür sorgt, dass Elterntiere nicht genügend Nahrung für die Aufzucht ihrer Jungen finden.

Bild in Lightbox öffnen (open image in lightbox). Abbildung 2: Kiebitz auf Feuchtwiese. Foto: A. Wälde

Verfasser: L. Gehlen

Literatur zum direkt Nachlesen

  • Dominic Cimiotti, Jan Sohler, H. Böhner, et al (2018) Kiebitze schützen Ein Praxishandbuch, 1st edn. Berlin
  • Lachmann L (2017) Viele Vögel sind schon weg  Vogelsterben und Biodiversität-Ursachen und Gegenmaßnahmen
  • Sudfeldt C, Dröschmeister R, Frederking W, et al (2013) Vögel in Deutschland 2013. DDA, BfN, LAG VSW, Münster