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Die Erdkröte (Bufo bufo)


 

Die Erdkröte, Bufo bufo Linné 1758 ist eine der häufigsten Amphibienarten Europas und auch in Deutschland weit verbreitet. Man findet sie in Wäldern, strukturreichen Wiesen, naturnahen Gärten und natürlich an Teichen, besonders im Frühjahr, wenn viele Tiere gleichzeitig zu ihren Laichgewässern wandern. Heute geht man davon aus, dass Bufo bufo wahrscheinlich nicht nur eine einzige Art, sondern eine Gruppe eng verwandter Arten ist. Wie genau sie sich unterscheiden und einordnen lassen, ist noch nicht vollständig geklärt.



Abbildung 1: Adulte Erdkröte. Foto: A. Bellersheim
Abbildung 2: Erdkröte, die sich in hohem Gras versteckt. Foto: S. Bigalk

Im Vergleich zu Fröschen wirkt die Erdkröte massig und gedrungen. Sie hat eine warzige Haut und bewegt sich meist langsam schreitend oder mit kurzen Hüpfern. Ausgewachsene Tiere können bis zu 12 cm Körperlänge erreichen und die Weibchen sind in der Regel deutlich größer als die Männchen. Ihre Färbung ist variabel, meist grau, braun oder gelb, oft mit dunklen Flecken (Abb. 1). Diese Tarnfarbe hilft, im Laub und auf dem Waldboden kaum aufzufallen. Typisch für Kröten sind die waagerechten Pupillen sowie die deutlich erkennbaren Ohrdrüsen hinter den Augen. In der Haut sitzen Drüsen, die ein Sekret mit verschiedenen Wirkstoffen absondern. Dieses Giftgemisch schmeckt bitter, kann bei Fressfeinden Übelkeit auslösen und dient so als wirksamer chemischer Schutz.

Die Erdkröte ist ein überwiegend landlebendes Tier und benötigt Gewässer vor allem zur Fortpflanzung. Wichtig sind Versteckmöglichkeiten wie Steinhaufen, Wurzeln, Totholz oder dichte Laubschichten (Abb. 2). Für die Überwinterung zieht sie sich in frostfreie Verstecke im Boden zurück. Erdkröten sind vor allem dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber halten sie sich gut verborgen, um nicht auszutrocknen und Fressfeinden zu entgehen. In feuchten Nächten, besonders nach Regen, gehen sie auf Nahrungssuche. Sie ernähren sich überwiegend von wirbellosen Tieren: von Insekten wie Käfern, Raupen und Ameisen, dazu von Spinnen, Asseln, Regenwürmern und Schnecken. Mit ihrer schnellen, klebrigen Zunge schnappen sie Beute und verschlingen sie im Ganzen. Dadurch leisten sie einen wichtigen Beitrag zur natürlichen Regulierung von Insekten- und Schneckenpopulationen. Die Kaulquappen ernähren sich zunächst vor allem von Algen und abgestorbenem organischem Material.


Besonders auffällig im Lebenszyklus der Erdkröte ist die jährliche Wanderung zu den Laichgewässern im Frühjahr, meist zwischen März und April. Dann verlassen die Tiere ihre Winterquartiere und bewegen sich oft in großer Zahl zu Teichen, Weihern, Tümpeln oder Gräben. Viele Erdkröten kehren erstaunlich zielgenau an die Gewässer zurück, in denen sie selbst geschlüpft sind – man spricht von Laichplatztreue. An den Gewässern treffen die Männchen normalerweise früher ein als die Weibchen. Sie warten am Ufer und versuchen, vorbeikommende Weibchen zu ergreifen. Gelingt dies, klammern sie sich in der sogenannten Amplexus-Stellung auf dem Rücken des Weibchens fest. 

Wenn das Weibchen seine Eier ins Wasser abgibt, befruchtet das Männchen sie äußerlich. Im Gegensatz zu vielen Froscharten, die Laichballen bilden, legt die Erdkröte zwei- bis vierreihige Laichschnüre, die oft über 1 m lang sein können. Sie enthalten meist mehrere tausend Eier. Diese werden oft um Wasserpflanzen gewickelt. Die Kaulquappen leben zunächst ausschließlich im Wasser, atmen über Kiemen und besitzen einen langen Ruderschwanz. Während der Entwicklung wachsen erst die Hinter-, dann die Vorderbeine, der Schwanz bildet sich zurück, und die Lungen übernehmen die Atmung. Dieser Umbau des Körpers wird Metamorphose genannt. Die Jungkröten, nur wenige Zentimeter groß, verlassen anschließend das Wasser und leben fortan überwiegend an Land (Abb. 3). In freier Natur können sie zehn Jahre und älter werden.

Abbildung 3: Junge Erdkröte. Foto: A. Behringer

Ökologisch nimmt die Erdkröte eine bedeutende Rolle ein. Sie ist Räuberin von wirbellosen Tieren und zugleich Beutetier für verschiedene Wirbeltiere. Zu ihren Fressfeinden gehören die Ringelnatter, Reiher, Krähen sowie Igel und Marder. Da Amphibien empfindlich auf Gewässerverschmutzung, Pestizide und Lebensraumverlust reagieren, gelten sie als wichtige Bioindikatoren. Ihr Vorkommen und ihr Gesundheitszustand liefern Hinweise auf den Zustand von Ökosystemen.

Obwohl die Erdkröte noch relativ häufig ist, steht sie unter Druck. Bedrohungen entstehen vor allem durch den Verlust und die Zerschneidung von Lebensräumen, etwa durch Siedlungs- und Straßenbau, intensive Landwirtschaft und die Trockenlegung von Feuchtgebieten. Hinzu kommt die Verschmutzung von Laichgewässern. Besonders sichtbar ist die Gefahr durch Straßen: Während der Frühjahrswanderung werden vielerorts zahlreiche Tiere überfahren. Um dem entgegenzuwirken, kann man zur Laichzeit an den Straßenrändern die etwa 40 cm hohen Krötenzäune sehen. Diese sollen die Tiere dazu zwingen, die Straßen an einer sicheren Stelle zu überqueren. Erdkröten dürfen nicht gefangen, verletzt oder getötet werden, auch ihre Fortpflanzungs- und Ruhestätten stehen unter Schutz.

Erdkröten und viele andere Amphibien sind auf ihre Laichgewässer angewiesen. Oftmals sind dies große Pfützen im Wald, die nur in größter Trockenheit versickern. Diese Kleinstgewässer zu erhalten ist also ein effektiver Schutz für viele Arten. Auch im eigenen Garten können Kröten gefördert werden, indem ihnen Versteckmöglichkeiten angeboten werden. 


Verfasst von: A Behringer

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