Der Hexenring 

 

Diesen Monat möchten wir euch nicht eine bestimmte Art, sondern ein Phänomen, welches auf Wiesen beobachtet werden kann, vorstellen. Der sogenannte Hexenring (oder auch Feenring) ist ein Ring aus den Fruchtkörpern von Pilzen (Abb. 1). Dabei können diese nicht nur von einem, sondern rund 60 verschiedenen Pilzarten gebildet werden. Dazu gehören unter anderem der Wiesen-Champignon, der Fliegenpilz, der echte Pfifferling und viele weitere bekannte Pilze.  

Wie kommt nun dieses runde Pilzgebilde zustande? Erstmal sollte man sich bewusst sein, dass der ‚Pilz‘ wie wir ihn überirdisch wahrnehmen, lediglich der Fruchtkörper des eigentlichen Pilzes ist. Der wahre Pilz befindet sich unter der Erde und sendet seine Ausläufer (das Myzel) in alle Richtungen aus. Diese Ausläufer wachsen alle gleich schnell und bilden die Fruchtkörper, die dann oberirdisch wachsen. Dadurch, dass das Wachstum gleich schnell abläuft, kommt eine ringförmige Struktur zustande. Das bedeutet auch, dass alle Pilze eines Hexenringes strenggenommen nur ein Pilz sind.

Bild in Lightbox öffnen (open image in lightbox). Abbildung. 2. Ein Hexenring sorgt dafür, dass das umliegende Gras abstirbt. Credit: Zorba the Greek, CC BY-SA 2.0

Bild in Lightbox öffnen (open image in lightbox). Abbildung 3: Ein Hexenring hat dafür gesorgt, dass das umliegende Gras schneller wächst. Credit: Claus AbleitCC BY 3.0

Bild in Lightbox öffnen (open image in lightbox). Abbildung 1: Ein Hexenring auf einem Rasen, gebildet von den Fruchtkörpern eines Pilzes. Durchmesser ca. 2 Meter. Credit: Aviddoghug, als gemeinfrei gekennzeichnet

Der Name Hexenring kommt von dem altertümlichen Glauben, dass die Ringe Versammlungsorte von Hexen oder Feen waren und deren Betreten für den Menschen verboten war. Heutzutage gelten Hexenringe jedoch eher als Rasenkrankheit. Das Mycel des Pilzes kann sich um die Wurzeln des Grases und anderer Pflanzen legen, und ihnen so Wasser und Nährstoffe entziehen. Außerdem entziehen sie dem Boden Nährstoffe wie Stickstoff, was dazu führt, dass die umliegenden Pflanzen an Farbe verlieren oder gar sterben. Dies führt dazu, dass auch nach Verschwinden des Pilzes, farbliche oder strukturelle Kreise auf dem Rasen bleiben (Abb. 2). Aber auch das Gegenteil kann zutreffen. Manche Pilzarten produzieren Stoffe, die wie Wachstumshormone von Pflanzen agieren und so dafür sorgen, dass die umliegenden Pflanzen schneller Wachsen (Abb. 3). Ob das Gras um einen Hexenring abstirbt oder stärker wächst, hängt also von der Art des Pilzes ab. 

Hexenringe findet man jedoch nicht nur auf Wiesen. Man kann nämlich 2 Arten von Hexenringen unterscheiden: Die „freien“ Hexenringe auf Wiese, und die „gebundenen“ Hexenringe, welche vor allem in Wäldern zu finden sind. Die „gebundenen“ werden so genannt, weil sich der Pilz in einer Symbiose mit einem Baum befindet; die ringförmige Struktur erscheint also um einen Baum herum (Abb. 4). Die freien Hexenringe sind entsprechend unabhängig von anderen Organismen. 

Die Größe und das Alter eines Hexenringes sind sehr variabel. Dabei gilt, je älter der Hexenring, desto größer kann er werden. Der größte Hexenring wurde in Frankreich entdeckt. Bei diesem Pilz handelt es sich um den Mönchskopf, welcher einen Ring mit einem Durchmesser von etwa 600 Meter gebildet hat. Sein Alter wird auf über 700 Jahre geschätzt.
Bild in Lightbox öffnen (open image in lightbox). Abbildung 4: Ein gebundener Hexenring im Wald. Credit: Josimda, CC BY-SA 3.0

Verfasser: J. Michel