Alles auf Knautie
Die Knautien-Sandbiene
(Andrena hattorfiana)
Viele der über 600 in Deutschland vorkommenden Wildbienenarten sind oligolektisch, also spezialisiert auf das Sammeln von Pollen von einer bestimmten Pflanzenart oder nahen Verwandten dieser Pflanzen. Eine dieser Spezialistinnen ist die Knautien-Sandbiene (Andrena hattorfiana, Abb. 1). Dabei ist der Name Programm, denn meist ist sie auf Knautien - oder den nahe verwandten Skabiosen - zu finden.
Die Weibchen der Knautien-Sandbiene (Abb. 2) sind mit 13-16 mm Körperlänge etwas größer als eine Honigbiene und durch ihr markantes Äußeres gut zu erkennen. Die ersten zwei Hinterleibssegmente sind meist kräftig rot gefärbt, der restliche Körper dunkel und eher spärlich behaart. Die restlichen Hinterleibssegmente tragen eine dünne weiße Haarbinde und das Hinterleibsende ich von einem dichten Rotgoldenen Haarbüschel bedeckt. Die Flügel sind nicht klar, sondern leicht eingedunkelt und die langen, dichten Haare an den Hinterbeinen sind durchscheinend weiß. Erst durch den darin gesammelten rosa Knautien-Pollen entstehen die markanten rosa „Pollenhöschen“ (Abb. 1).
Die Männchen sind etwas schlanker, die ersten zwei Hinterleibssegmente häufig kaum rot gefärbt und mit ihrer Hellbraunen dichten Behaarung kaum von anderen Sandbienenmännchen zu unterscheiden.
Abb. 1: Ein Weibchen der Knauten-Sandbiene (Andrena hattorfiana) sammelt Pollen auf der Blüte einer Wiesen-Witwenblume (Knautia arvensis, auch Acker-Witwenblume genannt). Der rosafarbene Pollen wird dabei in den dichten, langen Sammelhaaren der Hinterbeine transportiert. Diese werden auch als „Pollenhöschen“ bezeichnet. Foto: Sonia Bigalk
Abb. 2: Weibchen der Knautien-Sandbiene beim Nektar trinken auf der Blüte einer Wiesen-Witwenblume. Die Knautiensandbiene ist anhand ihrer Größe, den eingedunkelten Flügeln und ihrer auffälligen Körperfärbung gut zu erkennen. Die Scopa genannten langen Sammelhaare für Pollen an den Hinterbeinen sind durchsichtig weiß. Foto: Sebastian GörnLange Zeit war wenig über die Lebensweise der Knautien-Sandbiene bekannt. Erst Anfang der 2000er wurden die ersten Nester gefunden und wissenschaftlich untersucht und beschrieben. Die Weibchen sind solitär, müssen also alleine ein Nest anlegen und versorgen. Dazu graben sie bis zu 20 cm tiefe Gänge in die Erde. Der Eingang wird häufig unter einer Blattrosette versteckt und ist deshalb sehr schwer zu finden. Von diesem Hauptgang zweigen mehrere Gänge ab, an deren Ende sich jeweils eine Brutzelle befindet. Jede Brutzelle wird mit einem Pollenvorrat ausgestattet, danach ein Ei hinzugelegt und der Gang anschließend mit Erde verschlossen. Da die einzelnen Pollensammelflüge bis zu einer Stunde dauern und mehrere Sammelflüge notwendig sind, um eine Brutzelle zu versorgen, enthält ein Nest meist nur 2 bis 6 Brutzellen. Die aus den Eiern schlüpfenden Larven benötigen für ihre Entwicklung den Pollen von Knautien oder Skabiosen als Nahrung. Sind diese Blüten knapp oder herrscht ein hoher Konkurrenzdruck durch Honigbienen oder andere Wildbienen, können die Knautien-Sandbienenweibchen nur wenige Brutzellen verproviantieren. Die Nachkommen der Weichen schlüpfen meist erst im nächsten Jahr.
Zu finden ist die Knautien-Sandbiene zwischen Mai und August auf trockenen Fettwiesen, Magerrasen, Streuobstwiesen oder Waldrändern mit Beständen von Knautien oder Skabiosen (Abb. 3). Obwohl sie weit verbreitet ist, gilt sie nur als mäßig häufig mit abnehmender Tendenz. Sie steht beispielhaft für eine von vielen Arten, die vom Erhalt und Schutz artenreicher Mäh- oder Weidewiesen enorm profitiert.
Verfasserin: S. Bigalk
Literatur zum direkt Nachlesen
- Larsson, M. & Franzén, M. (2207): Critical resource levels of pollen for the declining bee Andrena hattorfiana (Hymenoptera, Andrenidae). Biological Conservation 134, S. 405-414.
- Westrich, P. (2019): Die Wildbienen Deutschlands, 2. Auflage. Ulmer Verlag, Stuttgart.
- Scheuchl, E., Schwenninger, H.R., Burger, R., Diestelhorst, O., Kuhlmann, M., Saure, C., Schmid-Egger, C. Silló, N. (2023): Die Wildbienenarten Deutschlands – Kritisches Verzeichnis und aktualisierte Checkliste der Wildbienen Deutschlands (Hymenoptera, Anthophila). Anthophila (1)
- https://www.wildbienenzentrum.de/anthophila/
- Schwenninger, H.R., Haider, M., Prosi, R., Herrmann, M., Klemm, M., Mauss, V. & Schanowski, A. (2025): Rote Liste und Verzeichnis der Wildbienen Baden-Württembergs. Naturschutz-Praxis Artenschutz 4, LUBW Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg, Karlsruhe.
- https://pudi.lubw.de/detailseite/-/publication/10628