Die Schüsselblumen
(Primula elatior und Primula veris)
Haarige Blätter und tapfere Blüten trotzen der Kälte
Schlüsselblumen gehören zu den bekanntesten Wildblumen überhaupt und haben viele Namen bekommen: zum Beispiel Himmelsschlüssel, Wiesenprimel und in Süddeutschland Padenkele bzw. Badengele.
Früher hat man sie gepflückt und in kleinen Blumenvasen zur Dekoration auf den Frühlingstisch gestellt. Die echten Schlüsselblumen wurden gesammelt, getrocknet und als Heilpflanzen gegen Erkältungskrankheiten der Atemwege für den Winter aufbewahrt.
Heute ist es eine Kunst, überhaupt Wiesen zu finden, auf denen Schlüsselblumen vorkommen. Sie sind selten geworden und stehen seit 1980 unter strengem Naturschutz. Man darf sie niemals pflücken und schon gar nicht ausgraben. Schließlich dienen die Blüten primär nicht dazu den Menschen zu erfreuen, sondern um Nachwuchs zu zeugen. Im Frühling gehören sie zu den ersten Pflanzen (lateinisch primu-la: die erste-Kleine) die blühen und somit auch erstes Futter für die Schaar der Insekten liefern, die nach dem Winter hungrig auf die Wiese kommen. Auch Frost, Kälte und später Schneefall können ihnen nichts anhaben. Sie neigen ihren „Blüten-Schlüsselbund“ dem Boden zu und warten gelassen auf wärmeres Wetter. Nur langrüsselige Insekten können die Pollen zur Befruchtung übertragen, denn die Blütenröhren sind tief.
Zwei verschiedene Schlüsselblumen-Arten können auf bunten Wiesen vorkommen:
Primula elatior hat hellgelbe größere einfarbige Blütenblätter.
Deutsche Namen sind: Hohe Schlüsselblume, Aufrechte Schlüsselblume, Gewöhnliche Schlüsselblume
Primula veris (auch Primula officinalis) hat dunkelgelbe kleinere Blütenblätter, mit rot bis orangefarbenen sogenannten Schlundflecken.
Deutsche Namen sind: Arznei-Schlüsselblume, Echte Schlüsselblume, Apotheker-Schlüsselblume
Meistens ist nur eine der beiden Arten auf einer Wiese zu finden.
Es gibt bei jeder der beiden Arten unterschiedliche aufgebaute Blüten im inneren, um Selbstbefruchtung zu vermeiden. Griffel und Fruchtblätter sind dabei jeweils unterschiedlich lang. Das nennt man Heterostylie. Auch der Nachbar ist nicht willkommen, er könnte ja nahe verwandt sein.
Wenn die Blüten befruchtet sind, werden die gelben Blütenblätter braun und trocken. Jetzt wird es erst richtig interessant, denn die Embryonen entwickeln sich in den heranreifenden Samen. Im Blütenmeer der Sommerwiesen sind die Schlüsselblumen nur schwer zu entdecken und werden oft übersehen. Aber die Rosetten der Primel-Blätter sind unverwechselbar zu erkennen, wenn man genau hinschaut; besonders wenn man sich im Frühjahr den Standort gut gemerkt hat. Zudem sind Schlüsselblumen sehr haarig. Für die Landwirtschaft mit Vertragsnaturschutz ist es wichtig sie zu finden, zu fotografieren und zu melden, denn alle Schlüsselblumen sind „Kennarten des Artenreichen Grünlands im Rahmen der Öko-Regelung 5 und FAKT II“.
Die Samen der Schlüsselblumen haben Flugapparate und werden mit dem Wind verbreitet. Sie bleiben an der, dem Licht zugewandten, Oberfläche liegen, auf der sie gelandet sind und warten auf den Frost um keimfähig zu werden.
Der Schlüsselblumen-Würfelfalter (Hamearis lucina) kann nur dort leben, wo die befruchteten Weibchen ihre glatten runden Eier an die Unterseite der Blätter Echter Schlüsselblumen (Primula veris) legen können. Die Raupen können sich nämlich nahezu ausschließlich von diesen ernähren. Gelegentlich werden auch die anderen wilden Schlüsselblumenarten akzeptiert.
Literatur zu weiteren Informationen
- Schauer, Thomas / Caspari, Claus und Stefan: Der illustrierte Pflanzenführer, BLV 2020 Gräfe und Unzer Verlag GmbH München, 14. Auflage 2024
- Bellmann, Heiko: Der neue Schmetterlingsführer, Frankh-Kosmos Verlag Stuttgart 2003
- Kennarten des Artenreichen Grünlands im Rahmen der Öko-Regelung 5 und FAKT II, Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg, Kernerplatz 10, 70182 Stuttgart, 2. Auflage 2025
- www.foerderung.landwirtschaft-bw.de
Texte und Fotos von: L. Domdey-Kunz