Wärmeliebender Möhrenfan
Der Schwalbenschwanz (Papilio machaon)
Der Schwalbenschwanz (Papilio machaon, Abb. 1) zählt zu den markantesten Schmetterlingen in Mitteleuropa und ist durch seine elegante gelb-schwarze Flügelzeichnung und die länglichen Fortsätze an den mit einem blauen Querband und rotem Augenfleck versehenen Hinterflügel, leicht zu erkennen. Mit einer Flügelspannweite von bis zu 7,5 cm ist er zudem einer unserer größten tagaktiven heimischen Schmetterlinge. Der Schwalbenschwanz ist in ganz Europa und Nordafrika verbreitet. Nachdem die Bestände stark zurück gingen, haben sich die mitteleuropäischen Bestände stabilisiert und die prächtigen Falter sind wieder häufiger zu beobachten.
Ab Mitte April schlüpfen die Tiere der ersten Generation aus den Schmetterlingspuppen in denen sie überwintert haben und begeben sich auf Partnersuche. Dabei legen sie teilweise weite Strecken zurück und nutzen das sogenannte “Hilltopping” um einander zu finden. Dabei fliegen sie gezielt zu hohen Strukturen in der Landschaft, wie etwa Hügel- oder Bergkuppen, und patrouillieren dort, um mögliche Partner zu finden. Nach der Paarung begibt sich das Weibchen auf die Suche nach geeigneten Stellen zur Eiablage. Die Eier sind kleiner als der Kopf einer Stecknadel und werden einzeln an junge Blätter von Doldenblütlern wie Wilder Möhre, Wiesen-Kümmel, Bärwurz, Haarstrang aber auch Kulturpflanzen wie Petersilie, Gartenmöhre und Fenchel gelegt. Bevorzugt werden sowohl warme und locker bewachsene Standorte auf wenig gedüngten Mähwiesen, Magerrasen, Wegrändern, Streuobstwiesen, Weinbergen, Gärten aber auch begrünte Flachdächer (Abb. 2) oder geeignete Feuchtwiesen mit Futterpflanzen für die Raupen. Die bald darauf schlüpfenden jungen Raupen sind zunächst dunkel gefärbt mit hellen Sprenkeln und ahmen so Vogelkot nach. Nach der zweiten Wachstumshäutung verfärben sie sich zunehmend grün bis sie mit etwa 4,5 cm Länge eine grüne Grundfarbe mit schwarzen Querstreifen und orangenen Punkten aufweist (Abb. 3). Bei Gefahr können die Raupen hinter dem Kopf einen zweizipfeligen gelben Fortsatz ausstülpen der “Nackengabel” oder “Osmaterium” genannt wird und einen Abwehrgeruch absondert. Eine solche Nackengabel ist auch bei dem Zeichentrick-Raupen-Pokémon Raupy zu sehen. Die Raupen verpuppen sich als sogenannte Gürtelpuppe, die sich mit einem Gespinstfaden an der Hinterleibsspitze, z.B. an einem Pflanzenstängel, verankert und zusätzlich mit einem Faden um die Körpermitte sichert. Nach wenigen Wochen schlüpft zwischen Juli und August daraus der fertige Schwalbenschwanz der zweiten Generation des Jahres. Vereinzelt schlüpft in Deutschland auch eine dritte Generation an Schwalbenschwänzen in einem Jahr, dies ist jedoch abhängig von der Tageslänge zum Zeitpunkt der Verpuppung der Raupe. Beträgt sie weniger als 14,5 - 15 Stunden, überwintert der Schmetterling als Puppe und schlüpft erst im folgenden Frühjahr.
Da Schwalbenschwänze als Puppe an Stängeln angeheftet überwintern, ist es für sie fatal, wenn Wiesen oder Wegränder im Herbst oder frühen Frühjahr gemäht werden. Deshalb sind sie, wie viele andere Wirbellose auch, darauf angewiesen, dass zumindest ein Teil ihres Lebensraums bis zum Frühjahr nicht abgeräumt oder gemäht wird. Da die fertigen Schmetterlinge von April bis September fliegen, sind sie bei der Wahl ihrer Nektarquellen nicht wählerisch (Abb. 4). Je nach Jahreszeit werden z.B. Löwenzahn, Rotklee, Natternkopf oder Disteln angenommen.
Verfasserin: S. Bigalk

Literatur zum direkt Nachlesen
- Bellmann (2009): Der neue Kosmos-Schmetterlingsführer - Schmetterlinge, Raupen, Futterpflanzen. Franckh-Kosmos Verlag
- Elbert (Hrsg.) (1991): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs, Band 1 Tagfalter I. Ulmer Verlag.
- Settele, Steiner, Reinhardt, Feldmann & Hermann (2009): Schmetterlinge, die Tagfalter Deutschlands, 2. Auflage. Ulmer Verlag