Die Weinbergschnecke (Helix pomatia)

 

Mit seinen bis zu 5 cm großen Gehäusedurchmesser ist unsere größte heimische Landschnecke beim Spaziergang am Morgen oder in den Abendstunden kaum zu übersehen. Die Weinbergschnecke (Helix pomatia) findet man nämlich in offenen Lebensräumen wie Gärten, Parks, Friedhöfen und an Randgebieten von Wäldern. Dabei ist sie besonders auf kalkreichen, feuchten und warmen Böden zu finden, da sie für den Erhalt ihres Gehäuses auf Kalk angewiesen sind.  Adulte Weinbergschnecken werden bis zu 10 cm lang und ca. 30 g schwer. In freier Wildbahn werden sie ungefähr 8 Jahre alt, können in Gefangenschaft jedoch gut 20 Jahre alt werden. Ihr Gehäuse ist beige bis braun mit quer verlaufenden Streifen und in den meisten Fällen rechtsläufig (Abbildung 1). Nur etwa eine von 20.000 Weinbergschnecken besitzt eine linksgängige Schraube und gilt damit als sogenannter Schneckenkönig.

Schnecken gelten bei vielen Menschen allgemein als Gartenschädlinge und werden daher oft Opfer von Giften und Ähnlichem. Doch da sich die Weinbergschnecke hauptsächlich von welken Pflanzen und Algen ernährt und andererseits nicht wirklich in großen Mengen auftritt, stellt sie für Gärten kaum eine Gefahr dar.

Bild in Lightbox öffnen (open image in lightbox). Abbildung 2: Ein Kalkdeckel verschließt das Gehäuse und schützt somit vor Kälte, Hitze und Trockenheit. Foto von Hannes Grobe

Literatur zum direkt Nachlesen

 

  • Kerney, M.P., Cameron, R.A.D., Jungbluth, J.H. (1983): Die Landschnecken Nord- und Mitteleuropas. Berlin, Parey Verlag.

  • Meisenheimer, J. (1912): Die Weinbergschnecke Helix pomatia L. Leipzig, Verlag v. Dr. Werner Klinkhardthttps://wiki.arages.de/index.php?title=Pisaura_mirabilis

  • Nietzke, G. (1970): "Die Weinbergschnecke". Stuttgart, Verlag Eugen Ulmer.

Bild in Lightbox öffnen (open image in lightbox). Abbildung 1: Weinbergschnecke mit bräunlichem, rechtsläufigem Gehäuse. Foto von H. Zell

Weinbergschnecken können ihre Nahrung auf eine weite Entfernung erkennen und kriechen im Schneckentempo, welches 7 cm pro Minute (oder 4,3 m pro Stunde) beträgt, darauf zu. 

Wenn es in den Herbstmonaten kälter wird ziehen sich die Weinbergschnecken in die Erde zurück und verschließen den Eingang ihres Gehäuses mit einem Kalkdeckel (Abbildung 2) und gehen so in eine Winterstarre. Doch auch im Sommer, wenn es zu heiß und trocken ist, kann sich die Schnecke mit Hilfe des Kalkdeckels vor Austrocknung schützen. 

 Weinbergschnecken haben kaum Fressfeinde. Nicht nur ihr Gehäuse bietet ihr Schutz, auch ihr zäher Schleim ist für die Prädatoren eher unappetitlich. Für die meisten schneckenfressenden Singvögel ist sie auch viel zu groß um als Nahrung zu dienen. Falls ein Tier sich doch dazu entscheiden sollte, diese Schnecke anzugreifen, wehrt sie sich durch das Ausstoßen großer Mengen eines dünnflüssigen Schleimes, welcher aufgeschäumt wird. Dabei können auch zischende Geräusche entstehen, die Angreifer abschrecken. Obwohl der Mensch die Weinbergschnecke auf seiner Speisekarte zu stehen hat, stammen diese aus Zuchten, wodurch die wilden Schneckenpopulationen nicht beeinflusst werden. 

Dennoch gilt die Weinbergschnecke in Deutschland als besonders geschützt. Grund für ihre Gefährdung ist die Beeinflussung der Umwelt durch den Menschen. Obwohl genug geeignete Lebensräume vorhanden sind, sind diese meist sehr stark überdüngt oder mit Insektenschutzmitteln behandelt, welche auch den Weinbergschnecken schaden. In Gärten kommen häufig große Mengen an Schneckengiften zum Einsatz, wodurch diese als Lebensraum ebenfalls wegfallen. Besonders besorgniserregend ist die Luftverschmutzung, die vor allem in der Nähe von Städten zu saurem Regen führen. Diese sorgen für eine Übersäuerung des Bodens, wodurch die Weinbergschnecke nicht mehr ausreichend Kalk aus dem Boden für die Stabilisierung ihres Gehäuses ziehen kann. Das hat zur Folge, dass ihre Gehäuse dünn und zerbrechlich werden und ihr Kalkdeckel nicht mehr stark genug ist, um sie vor Kälte oder Trockenheit zu schützen. Ihre Lebenserwartung wird durch diese Faktoren herabsetzt was dafür sorgt, dass die Weinbergschneckenpopulation zurückgeht.

Verfasser: J. Michel