Die Wespenspinne (Argiope bruennichi)
Beeindruckende Zuwanderinnen mit coolem Look
Die Wespenspinne (Argiope bruennichi) fällt nicht nur durch ihr charakteristisches, sehr variables gelb-schwarz-weißes Muster auf, das ihr auch den Namen Zebraspinne eingebracht hat. Dieses Streifen-Outfit dient dabei einer cleveren Überlebensstrategie: Einerseits hilft das Muster, im Gras kaum aufzufallen – es verschmilzt quasi mit Sonnenlicht und Schatten und bietet somit eine perfekte Tarnung (Abb. 1). Andererseits schreckt es Fressfeinde ab, weil es an die Signalfärbung von Wespen erinnert. Interessanterweise zeigt nur das Weibchen diese auffälligen Farben, das kleine Männchen ist unauffällig braun gefärbt. Sind Männchen und Weibchen derart unterschiedlich in ihrem Aussehen, spricht man von Sexualdimorphismus. Dieser wird vor allem in Bezug auf die Körpergröße deutlich, da die Weibchen eine Körperlänge von stattlichen 17-25 mm erreichen, während die Männchen maximal 6 mm groß werden (Abb. 2). Doch nicht nur bei der Optik haben die Männchen dieser Art das Nachsehen: Nach erfolgreicher Paarung kommt es häufig vor, dass das Weibchen das Männchen noch während des Liebesaktes oder kurz danach auffrisst – ein Verhalten, das unter Experten wiederum als Sexualkannibalismus bekannt ist.
Abbildung 2: Weibchen einer Wespenspinne (links) und das deutlich kleinere Männchen (rechts). Foto: Andreas Selbmann, lpv-nordwestsachsen Beeindruckend ist ebenfalls, was die Wespenspinne als Jägerin leistet: Eine wissenschaftliche Untersuchung nahe Jena hat errechnet, dass alle Wespenspinnen, sie sich auf einem Hektar Wiese befinden, pro Jahr rund 4,5 Millionen Kleintiere fangen – das entspricht etwa 80 Kilogramm. Zur bevorzugten Beute gehören Heuschrecken, Bienen, Wespen, Fliegen, Schmetterlinge und Libellen. Die Wespenspinne ist also ein wichtiger Gegenspieler in einem gesunden Ökosystem, denn durch die räuberische Aktivität werden häufig vorkommende Arten, insbesondere Grashüpfer, unter Druck gesetzt.
Die Wespenspinne stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum und ist inzwischen in Deutschland weit verbreitet und gilt als ungefährdet. Ihre Anwesenheit ist ein Zeichen für artenreiche Wiesen und naturnahe Gärten – und ihr Anblick lohnt einen genaueren Blick für alle, die spannenden Tieren unter freiem Himmel begegnen wollen. Dafür bietet sich besonders in den warmen Sommermonaten Juli bis September die Möglichkeit, nach dieser wunderschönen Art Ausschau zu halten. Und sollte man sie nicht direkt finden, kann man auch ihr sehr charakteristisches Nest suchen: Nicht weit vom Boden entfernt baut die Wespenspinne ihr Netz mit einem speziellen Zick-Zack Muster (Abb. 4), das in einer senkrechten Linie die Mitte des Netzes entlang verläuft. Wozu genau diese Linie dient, ist ungewiss, in jedem Falle hilft es aber bei der Bestimmung der Art.
Nun hängt das Weibchen kopfüber im Netz und wartet auf das nächste Opfer. Im Hochsommer kann dies auch ein Männchen sein. Während der Paarung wird das Männchen bereits schwächer, es würde so oder so kurch danach sterben, damit dient es seiner Auserwählten also im doppelten Sinne und kann selbst seine Gene weitergeben. Anschließend spinnt das Weibchen einen großen, gut isolierten Kokon, in dem die Eier und wenige Zeit später die Jungspinnen verbleiben, bis sie im nächsten Sommer schlüpfen.
Wer diese Art in seinem Garten fördern möchte, sollte an einigen Stellen das Gras hoch wachsen lassen, geeignet sind hierfür Randstrukturen wie Trockenmauern oder Geäst, sodass die Wespenspinne zwischen den Grashalmen ihr Netz aufspannen kann.
Verfasst von S. Müller und M. Werner