Die zweifarbige Schneckenhausbiene
(Osmia bicolor)
(Nach-) Mieter der besonderen Art
Die zweifarbige Schneckenhausbiene (Osmia bicolor) gehört zur Familie der Megachilidae und macht ihrem deutschen Trivialnamen gleich in mehrfacher Hinsicht alle Ehre. Zunächst einmal fallen die Weibchen der knapp 10-11 mm großen Bienen aber durch ihre auffällige schwarz-rote Körperbehaarung auf, wobei der Kopf- und Brustbereich schwarz und der gesamte Hinterleib leuchtend rot gefärbt sind (Abb. 1). Dadurch lässt sich die zweifarbige Schneckenhausbiene auch recht einfach erkennen und bietet höchstens Verwechslungsmöglichkeiten mit der Gehörnten Mauerbiene Osmia cornuta, die eine der häufigsten Besucherinnen von typischen Nisthilfen für hohlraumbewohnende Wildbienen im Frühjahr ist. Im Unterschied zu dieser ist Osmia bicolor allerdings ein Stückchen kleiner und besitzt außerdem kein gehörntes Kopfschildchen. Die Männchen der zweifarbigen Schneckenhausbiene sind im Unterschied zu den Weibchen deutlich weniger auffällig und mit ihrer gelbbräunlich bis -rötlichen Körperbehaarung im Feld kaum von anderen Mauerbienenmännchen zu unterscheiden.
Es ist jedoch nicht das Aussehen der zweifarbigen Schneckenhausbiene, sondern vielmehr ihre unglaublich faszinierende Nist- und Lebensweise, die sie zu etwas ganz Besonderem macht. Denn wie der Name schon vermuten lässt, nistet die zweifarbige Schneckenhausbiene als eine von nur sechs Wildbienenarten tatsächlich ausschließlich in verlassen Schneckenhäusern, wobei besonders Schnirkel-, Strauch- oder Bänderschnecken bevorzugt werden und größere Behausungen, wie die der Weinbergschnecke (Helix pomatia) nur sehr selten angenommen werden. In diesen ungewöhnlichen Behausungen beginnt das bunte Treiben ab Anfang/Mitte März mit dem Schlupf der Männchen, die schon einige Wochen vor den Weibchen aktiv werden und innerhalb ihres Aktionsradius intensiv nach Schneckenhäusern mit schlupfbereiten Weibchen suchen (Abb. 2). Sobald diese geschlüpft sind, kommt es direkt zur Paarung und die gleichermaßen außergewöhnliche wie spektakuläre Brutfürsorge der zweifarbigen Schneckenhausbiene nimmt ihren Lauf.
Abb. 4: Der Blick in das Schneckenhaus lässt erahnen, wie viel Mühe sich diese kleinen Bienen bei ihren Nestern geben: Ganz vorn ist der Vorrat an Nektar und Pollen, von dem sich die noch relativ kleine Larve ernährt. Anschließend bleibt ausreichend Platz für den Nachwuchs, um sich mehrmals zu häuten und letzten Endes zu verpuppen. Der Rest des Hauses wird akribisch verbarrikadiert, so ist die Larve sicher.Foto: A. Krebs
Als solitär lebende Wildbienenart, ist das Weibchen bei sämtlichen Aufgaben der Brutfürsorge auf sich allein gestellt und muss zunächst einen passenden Nistplatz in Form eines verlassenen Schneckenhauses finden. Ist das passende Haus gefunden, beginnt das Weibchen zunächst damit sich das Schneckenhaus zurechtzulegen, indem sie sich zwischen Boden und Schneckenhaus drückt und mit ihren Beinen den Eingang des Schneckenhauses in die perfekte Position bringt. Gleichzeitig werden auch kleine Blattstücke gesammelt, die die Mauerbiene zu einer Art Pflanzenmörtel verarbeitet und in einem fleckigen Muster auf die Außenseite des Schneckenhauses klebt (Abb. 3). Sobald alles vorbereitet ist, startet sie dann mit der Suche nach Pollen und Nektar, wobei vor allem der Pollen von entscheidender Bedeutung zur Versorgung der Brut ist und zu einem großen Pollenvorrat im inneren des Schneckenhauses angehäuft wird. Tatsächlich legt das Weibchen jedoch meist nur eine einzige Brutzelle (in seltenen Fällen auch 2 bis 4) pro Schneckenhaus an und füllt den restlichen Raum des Schneckenhauses mit kleinen Steinchen, pflanzlichem Material oder kleinen Substratbrocken auf, bevor das Nest mit einem Pfropf aus Steinchen und Pflanzenmörtel verschlossen wird (Abb. 4).
Wer diese spektakuläre Brutfürsorge auch selbst einmal beobachten möchte, kann auch schon bei sich im eigenen naturnah gestalteten Garten Glück haben, denn die zweifarbige Schneckenhausbiene ist trotz ihrer anspruchsvollen Nistgewohnheiten noch recht häufig anzutreffen und bis auf Schleswig-Holstein deutschlandweit verbreitet. Dabei dienen ihnen beispielsweise extensiv bewirtschaftete Magerrasen oder Weinbergbrachen als Lebensraum, in dem neben störungsfreien Nistplätzen auch ein breites Nahrungsangebot benötigt wird, das die Schneckenhausbiene als generalistische „polylektische“ Art mit nachgewiesen Blütenbesuchen aus 13 Pflanzenfamilien voll ausschöpfen kann.
Verfasst von M. Glück
Abb. 5: Die parasitische Schneckenhausgoldwespe (Chrysura trimaculata) versucht, in das Schneckenhaus einzudringen, um ihr eigenes Ei ins Innere zu legen. Der Parasit ernährt sich dann von der Bienenlarve. Pech für die Biene, Glück für die Wespe. Dies ist ein ganz natürlicher Prozess, der auch nicht aufgehalten werden muss. Auch die schöne Goldwespe ist ein wichtiger Teil des Ökosystems. Foto: R. BüchiLinks und Literatur zum direkt Nachlesen
- Westrich, P. (2019): Die Wildbienen Deutschlands, 2. Auflage. Ulmer Verlag, Stuttgart.